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Nachtzug

Schweden plant Nachtzug von Malmö nach Köln

Seit dem Sommer untersucht die schwedische Verkehrsbehörde mögliche Nachtzug-Strecken nach Europa. Jetzt wurden erste Ergebnisse bekannt.

Dass das Zugreisen in Schweden gerade einen Boom erlebt, dürfte sich herumgesprochen haben. Erst unlängst wurde “tågskryta” – der Stolz, mit dem Zug zu fahren – offiziell in die Liste der neuen Wörter der schwedischen Sprache aufgenommen.

Auch der schwedischen Regierung ist der Trend nicht entgangen. Mit knapp 5 Millionen Euro im Jahr möchte sie die Einrichtung von Nachtzügen auf den europäischen Kontinent unterstützen. Im Sommer 2019 bekam die staatliche Verkehsbehörde “Trafikverket” zunächst den Auftrag, Möglichkeiten für einen täglichen Nachtzugverkehr nach Europa zu untersuchen.

Malmö–Köln als erste Strecke favorisiert

Sechs Monate später liegen nun die ersten Ergebnisse der Studie vor. “Als ersten Schritt schlagen wir einen Nachtzug von Malmö nach Köln vor”, sagt Anna Fällbom von Trafikverket in einer Pressemitteilung.

Nicht nur sei die Reisezeit ideal, Köln böte mit seinen Verbindungen nach Amsterdam, Brüssel, Paris und London auch interessante Möglichkeiten zur Weiterreise. Wichtiges Detail: Der Nachtzug Malmö–Köln soll über die Öresundbrücke fahren, würde damit also auch Kopenhagen und andere Teile Dänemarks erschließen.

Nur auf Platz zwei in der Analyse landet ein möglicher Nachtzug Stockholm–Hamburg. Aus deutscher Sicht mag das überraschen; für schwedische Reisende ist Köln mit seinen Verknüpfungen mit den europäischen Metropolen aber einfach interessanter.

Auf längere Sicht kämen auch Frankfurt, Berlin und Basel als Ziele für einen Nachtzug in Frage.

Start in 2022?

Sollte der Nachtzug per Direktvergabe an einen Betreiber vergeben werden, könnte er schon im Mai 2022 Realität werden. Für Bahnverhältnisse also quasi morgen. Kommt es hingegen zu einer europaweiten Ausschreibung, verschiebt sich der Start auf frühestens 2023.

Diese und weitere Details finden sich in einem knapp 100-seitigen Bericht, den Trafikverket veröffentlicht hat. Darin enthalten ist auch ein möglicher Fahrplan für den Nachtzug von Malmö nach Köln.

Auffällig ist die frühe Ankunft um 6 Uhr. Das liegt zum einen an der Zugbelastung am Kölner Hauptbahnhof, die zwischen 6 und 9 Uhr besonders hoch ist. Zum anderen lassen sich so Amsterdam, Stuttgart, München, Basel, Brüssel und Paris mit einem Umstieg noch am Vormittag erreichen.

Nachtzug Malmö–Köln: Möglicher Fahrplan

BahnhofUhrzeit
Malmö19:40
Kopenhagen20:40
Odense22:00
Kolding22:40
Köln06:00

Quelle: Trafikverket

Schlaf- und Liegewagen dringend gesucht

Naheliegende Betreiber für den Nachtzug Malmö–Köln sind die staatlichen SJ und der private Snälltåget. Beide Unternehmen betreiben bereits Nachtzüge in Schweden und verfügen über entsprechende Infrastruktur. Aber auch die ÖBB haben immer wieder Interesse gezeigt, ihr Nightjet-Netz nach Nordeuropa auszuweiten.

Oder macht am Ende ein ganz anderer das Rennen? Klar ist: Auf schwedische Loks und Wagen wird er nicht zurückgreifen können. Diese sind wegen ihres Lichtraumprofils nicht für das kontinentale Europa geeignet.

“Es ist natürlich möglich, neue Züge zu bestellen, aber das braucht Zeit. Auf kurze Sicht empfehlen wir daher ein Verfahren, das auf einen Betreiber setzt, der die Fahrzeuge selbst zur Verfügung stellt”, sagt Anna Fällbom.

Wer auch immer den Zuschlag erhält, wird also eigenes Rollmaterial mitbringen müssen – oder auf dem Gebrauchtmarkt aktiv werden. In diesem Zusammenhang interessant: Erst im Oktober machte die Nachricht die Runde, dass die ÖBB den Markt nach gebrauchten Schlaf- und Liegewagen sondieren. Explizit gefragt wurde nach einer Zulassung für Dänemark und Schweden.

Schlussbericht folgt am 30. April

Antworten auf die offenen Fragen sind am 30. April zu erwarten. Dann legt Trafikverket seinen Abschlussbericht vor. Auf dessen Grundlage wird die schwedische Regierung entscheiden, wie ihr künftiges Engeagement in Sachen Nachtzug nach Europa aussieht.

“Es gibt noch viele Details zu klären”, schließt Anna Fällbom. Sorgen bereiten insbesondere noch die beschränkten Kapazitäten der deutschen Bahnhöfe. “Am Ende ist es uns wichtig, den Nachtzug so schnell wie mögich in einen kommerziellen Betrieb zu überführen”.

Sebastian Wilken

Von Sebastian Wilken

Mit Ende zwanzig hat Sebastian die Liebe zur Eisenbahn wiederentdeckt. Seitdem ist er kreuz und quer auf Europas Schienen unterwegs. Wenn er nicht im Zug sitzt, versucht er als Physiker die Welt zu verstehen.

19 Antworten auf „Schweden plant Nachtzug von Malmö nach Köln“

Hallo Raupi,
der Fahrplan ist erstmal nur als ganz grober Entwurf zu verstehen. Da wird sich sicherlich noch etwas ändern und es werden auch noch Zwischenhalte dazukommen. Gerade in der Gegenrichtung, also von Deutschland nach Schweden, böten sich Halte in Düsseldorf und Dortmund an, vielleicht sogar noch Hamburg. Wie das genau aussehen wird, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderen der Verfügbarkeit von Trassen auf den jeweiligen Bahnstecken und der Auslastung der Bahnhöfe. Mehr dazu werden wir vielleicht schon Ende April erfahren.
Viele Grüße,
Sebastian

Zwischenstopp in Hamburg ist doch zeitlich völlig uninteressant. Und jeder Stopp mit Fahrgastwechsel stört die Nachtruhe. Aber Essen oder Düsseldorf sollten schon noch drin liegen.

Flixtrain hat auch Liegewagen…😉 Doch glaube ich das ein Zug mit verschiedenen Kurswagen (z.B.weiter gen Stockholm, Oslo/Göteborg und evt Karlshamn) eine größere Nachfrage erzielen würde! Zumal, eine Finnlines Passage von Travemünde nach Malmö in einer Kabine mit Dusche, klingt ehrlich gesagt nach einer entspannteren Art des Reisens by Night ✌

Hi Philipp,
Flixtrain wird in diesem Jahr auch erstmal Strecken innerhalb Schwedens bedienen, von Malmö nach Stockholm und von Stockholm nach Göteborg. Vielleicht kommen sie ja auf den Geschmack 😉
Und Finnlines: Bin noch nie mit ihnen gefahren; die Fahrzeiten und die Anbindung des Hafens in Travemünde ist etwas suboptimal für Nicht-Auto-Passagiere.
Viele Grüße,
Sebastian

Als Lübecker würde ich natürlich eine Erweiterung des Fernnetzes in der Region Lübeck allerdings stehen auf der Strecke zwischen Lübeck-Kücknitz bzw. den Abzweig zum Güterzugterminal des Skandinavienkais nur ein Richtungsgleis, mit für längere Fernzüge unzureichenden Bahnsteigen und Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung.

…..könnte man die Strecke nicht noch etwas weiter Planen.Wie wäre es bis nach Trier, der ältesten Stadt von Deutschland.Unser schwarzes römisches Tor, wartet auf die schwedischen Gäste.

Hallo Horst,
der Nachtzug Malmö–Köln ist wie im Text geschrieben nur ein erster Schritt. Sollte er tatsächlich kommen und sich etablieren wäre in der Zukunft einiges möglich. Vor allem, wenn ab 2022 neue Schlaf- und Liegewagen an die ÖBB geliefert werden.
Viele Grüße,
Sebastian

Wichtig wäre aus meiner Sicht, endlich das Ruhrgebiet mit seinen mind 6 Millionen Menschen wieder vernünftig an das Nachtzug-Netz anzubinden. Dafür wäre ja Malmö- Köln geradezu prädestiniert!

Hi Jo,
da stimme ich dir absolut zu! Ich fände auch eine Ost-West-Verbindung in Richtung Warschau und Prag wichtig. Das ist leider nach dem Ausstieg der Deutschen Bahn aus dem Nachtzug-Geschäft völlig unter den Tisch gefallen.
Viele Grüße,
Sebastian

Ab 2028(nach Fertigstellung des Belttunnels) könnte der Zug auch über die Beltstrecke fahren. Das würde je nach Geschwindigkeit des Zuges und durch das Entfallen der Halte Kolding und Odense ca.1,5 Stunden Zeitgewinn bringen. Zwar würde dadurch der Zug schon gegen 4.30 in Köln ankommen, aber so könnte der Zug noch etwas weiter Richtung Süden fahren z.B entlang der Rheinstrecke und über Rhein/Main, Rhein/Neckar nach Straßburg oder in die Schweiz wobei der Zug dort dann sehr spät dort ankommt.

Außerdem ist die Bezeichnung des Haltepunktes Lübeck Travemünde Skandinavienkai etwas fragwürdig da der Eingang zum Hafen ca.1 km Luftlinie vom Haltepunkt entfernt

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