Frankreich: Neue Nachtzug-Strecken ab 2022 geplant

Der Nachtzug soll 2022 nach Nizza und Tarbes zurückkehren. Das kündigte die französische Regierung an. Alles über die aktuellen Ausbaupläne in Frankreich.

Frankreich plant nach Jahrzehnten des Niedergangs sein Nachtzug-Netz wieder auszubauen. „Wir werden die Nachtzüge neu entwickeln“, sagte Staatspräsident Macron in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag am 14. Juli 2020.

Die Renaissance der Nachtzüge sei neben dem Ausbau des Güterzugverkehrs und der Reaktivierung von Bahnstrecken ein wichtiger Baustein in Frankreichs Mobilität der Zukunft. „Das spart Geld und reduziert den CO2-Ausstoß“, so der Präsident weiter.

Aktuell betreibt die französische Bahn SNCF nur noch zwei Nachtzuglinien: von Paris nach Briançon, sowie von Paris nach Albi, Latour-de-Carol und Portbou. Zuletzt wurde der traditionsreiche Nachtzug Paris–Nizza im Dezember 2017 eingestellt.

Neue Nachtzüge nach Nizza und Tarbes ab 2022

Maßgeblich verantwortlich für den Zerfall des Netzes: die französische Regierung. 2016 stellte sie die Subventionierung der Nachtzüge weitgehend ein. Und auch die staatliche SNCF behandelte ihre Intercités de nuit zuletzt nur noch stiefmütterlich.

„Wir werden die Nachtzüge neu entwickeln“

Emmanuel Macron, französischer Staatspräsident

Nun erfolgt offenbar die Kehrtwende. Wenige Tage nach Macrons Rede konkretisierte Staatssekretär Jean-Baptiste Djebbari in einem Interview die Ausbaupläne. Demnach soll der Nachtzug nach Nizza bereits 2022 auf die Schiene zurückkehren. Außerdem geplant sei ein Nachtzug von Paris nach Tarbes am Fuße der Pyrenäen. Frankreich wäre damit nach Schweden das nächste Land, das in Nachtzüge investiert.

Weitere Details werden in einem Bericht zum Ende des Sommers erwartet. Dieser war eigentlich am 30. Juni 2020 fällig, wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie verschoben.

Nachtzug-Renaissance in Frankreich: Chronologie der Ereignisse

Die Ankündigung von Präsident Macron ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die sich in den letzten zwei Jahren abgezeichnet hat. Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse.

10. Dezember 2017
Mit der Einstellung des Nachtzugs Paris–Nizza erreicht das französische Nachtzugnetz einen historischen Tiefstand.

22. September 2018
Verkehrsministerin Élisabeth Borne fährt mit dem Nachtzug nach Briançon und verkündet: „Ja, Nachtzüge haben eine Zukunft!“ Der französische Staat investiert 30 Millionen Euro, um die Nachtzug-Flotte der SNCF zu renovieren.

18. Juni 2019
Die Nationalversammlung verabschiedet einen Gesetzesentwurf zur Mobilität der Zukunft („Loi d’orientation des mobilités“). Darin wird die Regierung aufgefordert, bis zum 30. Juni 2020 einen Bericht über die Wiederbelebung von Nachtzügen vorzulegen. Verkehrsministerin Borne: „Ich unterstütze Nachtzüge voll und ganz.“

24. Dezember 2019
Das „Loi d’orientation des mobilités“ tritt in Kraft.

26. Januar 2020
Die Initiative Oui au train de nuit veröffentlicht eine umfangreiche Studie zur Zukunft des Nachtzugs in Frankreich. Darin werden Wege aufgezeigt, wie das Netz in den kommenden zehn Jahren ausgebaut werden kann.

30. Juni 2020
Die Coronakrise verzögert den Regierungsbericht zur Zukunft der Nachtzüge. Wie der Figaro berichtet, wird die Veröffentlichung auf Ende des Sommers verschoben.

14. Juli 2020
In seiner Fernsehansprache zum Nationalfeiertag kündigt Emmanuel Macron die Renaissance der Nachtzüge in Frankreich an.

23. Juli 2020
Jean-Baptiste Djebbari, Staatssekretär im Verkehrsministerium, nennt im Interview auf France Info konkrete Pläne für den Ausbau des Nachtzugverkehrs. Mit Paris–Nizza und Paris–Tarbes sollen bis 2022 zwei neue Nachtzüge eingerichtet werden.

Nachtzug versus TGV?

Als flächenmäßig größtes Land der Europäischen Union ist Frankreich geradezu prädestiniert für den Nachtzug. Noch bis in die frühen 2000er-Jahre durchzogen Dutzende nationale wie internationale Nachtzugstrecken das Hexagon.

Veränderung des Nachtzug-Netzes in Frankreich zwischen 1981 und 2020
Nachtzug-Netz in Frankreich 1981 und 2020. Quelle: France Info

Das Jahr 1981 gilt als Schicksalsjahr für den Nachtzug: Mit dem TGV kommt ein mächtiger Konkurrent auf Frankreichs Gleise. Der schnelle Zug verbindet viele Städte in nur wenigen Stunden mit der Hauptstadt. Das Sterben der Nachtzüge beginnt, bis nur noch die beiden Linien in die Alpen und ins Pyrenäenvorland übrig sind.

Und dennoch gibt es auch heute noch einen Markt für den Nachtzug in Frankreich, wie die Initiative Oui au train de la nuit erklärt.

Gerade Verbindungen am Tagesrand oder Querverbindungen sind Fehlanzeige im TGV-Netz. Nachtzüge könnten hier eine ideale Ergänzung darstellen.

Investitionen von 1,5 Milliarden Euro

Begrenzender Faktor für die Ausbaupläne dürfte auch in Frankreich das Wagenmaterial sein. Die SNCF hat einen Großteil ihrer nicht mehr benötigten Nachtzug-Flotte verschrottet. Und ein Gebrauchtmarkt existiert in Europa quasi nicht mehr, auch in anderen Ländern werden Schlaf- und Liegewagen händeringend gesucht.

So lässt sich der große Wurf in Sachen Nachtzug nicht ohne größere Investitionen verwirklichen. Für ein tragfähiges Netz seien 1,5 Milliarden Euro nötig, rechnet Oui au train de la nuit in ihrer Studie vor. Dafür ließen sich 15 neue Nachtzüge in Frankreich einrichten, sowie 15 internationale Linien in Kooperation mit anderen europäischen Bahnen.

Ob die Regierung tatsächlich so viel Geld in die Hand nimmt, ist zur Zeit noch ungewiss. Über die aktuellen Entwicklungen in Frankreich werden wir dich in diesem Artikel auf dem Laufenden halten.

Infos kompakt

Oui au train de nuit

Auf ihrer Website informiert die Initiative über ihre Aktivitäten.

Intercités de nuit

Die SNCF informiert über ihre bestehenden Nachtzüge.

Mitmachen

In einer Petition sprechen sich bereits mehr als 180.000 Menschen für den Erhalt und Ausbau des Nachtzugs in Frankreich aus.

Titelfoto: Flickr/ice91prinzeugen

3 Kommentare

Paris – Madrid through Hendaie could be operated with an attractive schedule once the new track in the Basque region is completed with standard gauge for the whole route.

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