Nachtzug 2021: Was bringt der neue Fahrplan in Europa?

Am 13. Dezember ist Fahrplanwechsel in Europa. Was bedeutet das für den Nachtzug? Wir blicken auf die wichtigsten Neuerungen für das Jahr 2021.

Auch in Sachen Nachtzug gab es 2020 praktisch nur ein Thema: die Corona-Krise und ihre Folgen. Zu den Höhepunkten der Pandemie wurden viele Nachtzüge eingestellt, einige möglicherweise für immer. Manche begriffen die Pandemie aber auch als Chance und vermarkteten den Nachtzug als sichere Form des Reisens. Ein Beispiel ist der Alpen-Sylt-Nachtexpress, der im Frühjahr über Nacht aufs Gleis gestellt wurde.

Und im nächsten Jahr? Die Aussicht auf Impfstoffe weckt die Hoffnung, dass sich die Lage 2021 zumindest ab dem Sommer langsam entspannen könnte. Auch das Reisen mit dem Zug sollte dann in einem gewissen Umfang wieder möglich und auch im Hinblick auf den Seuchenschutz vertretbar sein.

In diesem Artikel blicken wir wie jedes Jahr anlässlich des Fahrplanwechsels auf die Neuerungen, die das neue Jahr für den Nachtzug in Europa bereithält.

Nachtzug nach Amsterdam

Die ÖBB bauen ihr Nachtzug-Angebot weiter aus. Mit dem Nightjet geht es künftig täglich von Wien und Innsbruck nach Amsterdam. Damit erhält nach Berlin 2019 und Brüssel 2020 die nächste europäische Hauptstadt Anschluss an Europas größtes Nachtzugnetz. Praktisch handelt es sich dabei um eine Verlängerung der bestehenden Verbindung nach Düsseldorf.

Die beiden Zugteile starten um 20:13 Uhr (Wien Hbf) beziehungsweise 20:44 Uhr (Innsbruck Hbf) und erreichen den Bahnhof Amsterdam Centraal am Morgen um 09:58 Uhr. Weitere Zwischenhalte in den Niederlanden sind Arnhem und Utrecht. Da der Innsbrucker Zugteil über München verkehrt (Abfahrt 22:50 Uhr), ist die Verbindung auch für Reisende aus Süddeutschland interessant.

Der Nachtzug nach Amsterdam bietet den gewohnten Nightjet-Komfort und wird auf beiden Teilstrecken über Schlafwagen, Liegewagen und Sitzwagen verfügen. Ein Autotransport ist auf der neuen Verbindung allerdings nicht vorgesehen.

Achtung: Aufgrund der Reisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie wurde die ursprünglich im Dezember geplante Premiere für den Nightjet nach Amsterdam ins Frühjahr verschoben (siehe nächster Abschnitt).

Nightjet: Weiterhin Einschränkungen im Angebot

Die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sorgen auch nach dem Fahrplanwechsel für Änderungen beim ÖBB Nightjet. Je nach Situation in den betroffenen Regionen lassen sich die Nightjet-Linien in drei Gruppen einteilen:

  1. Derzeit keine Einschränkungen gibt es bei den Nightjets innerhalb Österreichs, zwischen Österreich und der Schweiz, sowie auf der Strecke von Berlin nach Wien.
  2. Auf den weiteren Strecken zwischen Deutschland und Österreich, sowie zwischen Deutschland und der Schweiz, wurde der Verkehr für die Weihnachtszeit vorrübergehend wieder aufgenommen. Ab dem 10./11. Januar 2021 gehen diese Verbindungen zurück in die Corona-Pause.
  3. Bis auf Weiteres eingestellt bleiben die Nightjets nach Brüssel, Amsterdam, Rom, Mailand und Venedig.

Wann der Nightjet auf allen Linien wieder in den Normalbetrieb übergeht, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen. Die ÖBB geben die zweite Februarwoche als frühesten Zeitpunkt an. Für alle unter Punkt 2 und 3 gelisteten Linien besteht eine vorläufige Buchungssperre bis zum 24. März 2021.

Infos kompakt: Nightjet-Verkehr im Überblick

Nachfolgend aufgelistet ist der Status aller 19 Linien des ÖBB Nightjet. Alle aktuellen Nachrichten, auch zur geplanten Wiederaufnahme des Verkehrs, gibt es auf nightjet.com.

Keine Einschränkungen
Berlin – Wien
Wien – Bregenz
Wien – Zürich
Graz – Zürich

In Betrieb, Einstellung ab 10./11. Jan. 2021
Hamburg – Wien
Hamburg – Innsbruck
Hamburg – Zürich
Düsseldorf – Wien
Düsseldorf – Innsbruck
Berlin – Zürich

Derzeit kein Verkehr
Wien – Brüssel
Wien – Amsterdam
Innsbruck – Amsterdam
München – Rom
München – Mailand
München – Venedig
Wien – Rom
Wien – Mailand
Wien – Venedig

Stand: 13. Dezember 2020

Neuer Sommer-Nachtzug nach Split geplant

Die slowakische Bahn ZSSK bringt in Kooperation mit den ÖBB einen Sommer-Nachtzug von Bratislava über Wien ins kroatische Split an den Start. Geplant ist, dass der Zug zweimal wöchentlich von Mitte Juni bis Mitte September 2021 verkehrt. Auf seinem Weg an die Adria soll er unter anderem in Graz, Maribor und Zagreb Station machen.

Spannendes Detail: Der neue Nachtzug nach Split wird neben Schlaf- und Liegewagen auch Autotransportwagen führen. Er dürfte damit eine interessante Anreise-Alternative für Kroatien-Urlauber aus Österreich und Süddeutschland darstellen.

Schwedische Wechselspiele

Zu Umwälzungen im Nachtzugverkehr kommt es in Schweden. Im Februar 2020 wurde bekannt, dass die SJ plant, ihre Nachtzüge ab Göteborg einzustellen. Nicht zuletzt dank einer Petition mit über 35.000 Unterschriften konnte das jedoch abgewendet werden. Stattdessen wird es einen neuen Nachtzug von Göteborg nach Umeå geben, welcher in Sundsvall mit einem Zugteil aus Stockholm vereinigt wird. Erhalten bleibt außerdem der Nachtzug nach Duved, die Verbindung Göteborg–Luleå hingegen entfällt.

Neues gibt es auch bei den Nachtzügen ab Stockholm: Der berühmte „Arctic Circle Express“ nach Narvik und der Nachtzug Stockholm–Luleå werden künftig von der norwegischen Vy betrieben. Die Bahngesellschaft aus dem Nachbarland erhielt den Zuschlag für den Nachtzugverkehr nach Norrland, sowie die Tagzüge zwischen Luleå und Narvik, für zunächst vier Jahre.

Infos kompakt: Nachtzüge in Schweden

Diese Nachtzüge sind im Fahrplanjahr 2021 in Schweden unterwegs.

SJ
Malmö – Stockholm
Göteborg – Umeå
Göteborg – Åre – Duved
Stockholm – Umeå
Stockholm – Åre – Duved

Vy
Stockholm – Kiruna – Narvik
Stockholm – Luleå

Snälltåget
Malmö – Åre (saisonal)

Snälltåget baut Nachtzug-Verkehr nach Berlin aus

Neuigkeiten gibt es auch aus dem schwedischen Privatbahn-Sektor. So wird Snälltåget seinen saisonalen Nachtzugverkehr nach Berlin erheblich ausbauen. Künftig wird der Zug nicht mehr mit der Fähre über die Königslinie verkehren, sondern über das dänische Festland. Dadurch werden auch Städte wie Kopenhagen und Hamburg angebunden, was attraktive Umsteigeverbindungen von und nach Skandinavien ermöglicht.

Ebenfalls neu: Auf schwedischer Seite wird der Nachtzug dauerhaft von Malmö nach Stockholm verlängert. Damit gibt es 27 Jahre nach der Einstellung des Nachtzugs „Alfred Nobel“ Hamburg–Stockholm erstmals wieder eine Direktverbindung zwischen Deutschland und der schwedischen Hauptstadt.

Im Vergleich zu früheren Jahren wird die Anzahl der Fahrten deutlich erhöht. Im Jahr 2021 soll der Nachtzug von Ende März bis Ende September zweimal in der Woche verkehren, in der Hauptsaison von 11. Juni bis 5. September sogar täglich. Die Nachtzüge von Snälltåget führen Liegewagen mit 6er-Abteilen und Sitzwagen, komfortable Schlafwagen gibt es hingegen nicht. Auf dem schwedischen Abschnitt zwischen Malmö und Stockholm führt der Zug außerdem den beliebten Speisewagen „Krogen“.

Norwegen: Mehr Kapazität im Nachtzug nach Bergen

Die norwegische Bahn Vy plant die Zahl der Schlafplätze auf der Strecke Oslo–Bergen deutlich auszubauen. Dazu wurden acht Liegewagen von der Deutschen Bahn gekauft, die derzeit auf norwegischen Standard umgebaut werden. Die Liegewagen mit 6er-Abteilen sollen ab dem Sommer auf der Bergenbahn zum Einsatz kommen, und zwar sowohl in den Nachtzügen als auch mit umgeklappten Liegen im Tagverkehr.

Für den Nachtzug in Norwegen ist das eine Premiere. Bislang sind in dem skandinavischen Land ausschließlich Schlafwagen mit 2er-Abteilen zum Einsatz gekommen. Mit dem neuen Angebot sollen vor allem Familien, Gruppen, Studierende und andere preissensible Reisende angesprochen werden. Die Vy wird dazu eine neue Preiskategorie einführen, die zwischen Sitz- und Schlafwagen angesiedelt ist.

Unklare Lage bei Nachtzügen in Spanien

Besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurde der Nachtzug in Spanien und Portugal. Die spanische Renfe stellte im Frühjahr alle „Trenhotel“-Züge bis auf Weiteres ein. Betroffen waren die Verbindungen von Hendaye und Madrid nach Lissabon, sowie von Madrid nach Barcelona und Galicien. Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert, die Nachtzüge bleiben auch nach dem Fahrplanwechsel außer Betrieb.

Ob sie je auf die Schiene zurückkehren, ist zur Zeit völlig offen. Im Mai wurden Stimmen laut, die Renfe plane ihren Nachtzug-Verkehr auch nach Ende der Pandemie nicht wieder aufzunehmen. Zumindest in Portugal regt sich dagegen Widerstand. Hier bangt man nicht nur um den berühmten „Nachtzug nach Lissabon“, sondern fürchtet auch, vom Rest Europas abgekoppelt zu werden.

Ein Blick in die Zukunft

Allen Reisebeschränkungen zum Trotz wurden 2020 so viele Weichen für den Nachtzug der Zukunft gestellt wie lange nicht. So machten Projekte rund um den Ausbau des europäischen Nachtzugnetzes den Großteil der Berichterstattung bei uns im Blog aus. Hier ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

Frankreich
Kein geringerer als Staatspräsident Macron verkündete im Juli, dass Frankreich plane sein arg geschrumpftes Nachtzugnetz wieder zu vergrößern. Bereits 2022 sollen die Nachtzüge nach Nizza und Tarbes zurückkehren. [Mehr lesen]

Schweden
In Schweden sehnt man sich nach einer täglichen Nachtzug-Verbindung nach Mitteleuropa. Die staatliche Verkehrsbehörde Trafikverket möchte daher bis August 2022 Nachtzüge nach Hamburg und Brüssel an den Start bringen. [Mehr lesen]

Österreich und Schweiz
Die Alpenbahnen ÖBB und SBB planen beim Nightjet enger zu kooperieren. Innerhalb von vier Jahren sollen Strecken von Zürich nach Amsterdam, Prag, Rom und Barcelona eingerichtet werden. [Mehr lesen]

Deutschland
Ein letztes Ausrufezeichen hinter das Eisenbahnjahr setzte ausgerechnet die Deutsche Bahn. Medienwirksam gab man die „Rückkehr“ ins Nachtzug-Geschäft bekannt. Warum das allerdings eher eine Luftnummer ist, verrät unser Kommentar. [Mehr lesen]

6 Kommentare

Danke für die Info! Solange Thello den Nachtzug noch nicht von seine Website nimmt, glaube ich auch noch nicht an die endgültige Einstellung.

Sehr schöne Übersicht! Hast du eine Info zum Nachtzug Budapest-Prag (EuroNight 476/InterCity 572 Metropol (EN476/572))? Der soll eigentlich jeden Tag fahren, ich finde aber keine aktuelle Verbindung. Ist der Zug nur wegen Corona pausiert oder komplett abgeschafft?

Hallo Paul,
wegen Corona verkehrten Nachtzüge von und nach Ungarn eine Zeit lang ohne Schlaf- und Liegewagen. Wie es im Moment aussieht, weiß ich leider nicht. Ich vermute aber mal stark, dass auch der „Metropol“ in irgendeiner Form von Corona-Einschränkungen betroffen ist.
Viele Grüße,
Sebastian

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