Was bringt der Fahrplan 2018 für den Nachtzug in Europa? Wir haben fleißig die Kursbücher gewälzt – und verraten dir die guten und die schlechten Nachrichten.

Wer gern mit dem Nachtzug reist, schaut jedes Jahr im Dezember gespannt auf den Fahrplanwechsel. Liebgewonnene Verbindungen verschwinden, neue kommen hinzu. Auch dieses Mal gab es wieder einige Veränderungen. Leider nur selten zum Guten.

So geht 2018 das Streichkonzert beim Nachtzug weiter. Besonders betroffen: Tschechien und die Slowakei. Hier kommt nahezu der gesamte Kurswagenverkehr zum Erliegen. Auch Frankreich verliert einen weiteren Nachtzug. Zu den wenigen Verbesserungen gehören neue Züge in die Ukraine, sowie eine optimierte Führung des Nightjet von Zürich nach Berlin und Hamburg.

Alle Neuigkeiten im Überblick findest du in diesem Artikel.

Hinweis: Dieser Artikel stellt die Änderungen im Jahresfahrplan 2018 dar. Zu den aktuellen Nachrichten für den Fahrplan 2019 (gültig ab 9. Dezember 2018) geht es hier lang.

Adieu Train Bleu

Aus nach 131 Jahren: Die französische SNCF hat den Intercités de nuit Paris–Nizza eingestellt. Die traditionsreiche Verbindung von der Seine an die Côte d’Azur hatte es bereits seit 1886 gegeben. Wegen der Farbe der historischen Schlafwagen war der Zug auch als „Train Bleu“ bekannt. Seine Einstellung wurde von einer Reihe von Protestaktionen der Initiative Oui au train de nuit begleitet.

Damit erreicht das französische Nachtzugnetz einen historischen Tiefstand. Mit Paris–Briançon und Paris–Rodez/Latour Carol/Port Bou gibt es nur noch zwei Nachtzüge innerhalb Frankreichs.

Verkürzung des Metropol

Der legendäre Nachtzug EN 477/476 „Metropol“ verkehrt nur noch zwischen Prag, Budapest und Wien. Der Abschnitt von und nach Berlin wurde zum Fahrplanwechsel eingestellt. Damit hält seit vielen Jahrzehnten erstmals kein Nachtzug mehr in Dresden. Die ungarische MÁV-START, Betreiberin des Zuges, begründete die Verkürzung mit zu hohen Trassenkosten in Deutschland. Der neue Stammzug des Metropol besteht lediglich aus einem Schlaf- und zwei Sitzwagen von Prag nach Budapest, sowie einem Schlafwagen Prag–Wien. Erhalten bleibt die späte Abfahrt (23:57 Uhr) und frühe Ankunft (6:04 Uhr) in Prag, was das Rumpfangebot insgesamt wenig attraktiv macht.

Update:

Wie im April bekannt wurde, werden die ÖBB ab Dezember 2018 einen Nightjet zwischen Berlin und Wien einrichten. Dieser fährt nicht über die alte Strecke via Dresden und Prag, sondern nimmt einen neuen Laufweg über Polen mit Halt in Wrocław (Breslau). Alle Infos zum „Metropol neu“ und einen Vergleich mit dem alten Angebot der ungarischen Bahn gibt es in unserem großen Metropol-Check.

Neue Kurswagen Prag–Budapest

Für Langschläfer hat die tschechische ČD ein Zusatzangebot zum Metropol eingerichtet: Bereits um 21:09 Uhr macht sich eine Kurswagengruppe (je ein Schlaf- und Liegewagen) mit IC 573 über Brno auf den Weg nach Břeclav, wo sie die Nacht auf einem Abstellgleis verbringt. Mit dem Metropol geht es dann am nächsten Morgen nach Budapest. In Gegenrichtung verkehren die Kurswagen ab Břeclav mit IC 572, Ankunft in Prag ist um kurz nach acht Uhr.

Kurswagen Prag–Budapest | IC 573/EN 477
Bahnhof an ab
Praha hl.n. 21:09
Brno hl.n. 23:54 00:05
Břeclav 00:35 04:59
Budapest Keleti 08:35
Kurswagen Budapest–Prag | EN 476/IC 572
Bahnhof an ab
Budapest Keleti 20:25
Břeclav 23:55 05:07
Brno hl.n. 05:36 05:38
Praha hl.n. 08:07

Kahlschlag zwischen Tschechien und Slowakei

Zwischen Prag und dem Osten der Slowakei sind deutlich weniger Nachtzüge unterwegs. Während der EN 442/443 „Slovakia“ täglich die Strecke Prag–Humenné bedient, verkehrt der zweite Nachtzug EN 444/445 „Bohemia“ Prag–Košice künftig nur noch saisonal. In beiden Zügen wurden außerdem die Kurswagen ab Cheb gestrichen. Die Stadt nahe der deutschen Grenze verlor damit seine letzten Nachtzug-Verbindungen. Durch die Maßnahme ebenfalls von Nachtverkehr abgekoppelt wurden die Kurorte Karlovy Vary (Karlsbad) und Mariánské Lázně (Marienbad), sowie die Bierstadt Plzeň (Pilsen).

Die verringerte Freqeunz des „Bohemia“ hat eine weitere Auswirkung: Da dieser als Trägerzug für den Kurswagen Wien–Košice dient, verkehrt auch letzterer nur noch an ausgewählten Tagen im Jahr. Die Direktverbindung zwischen Österreich und der Slowakei hatte die slowakische ZSSK erst im Dezember 2016 eingerichtet.

Darüber hinaus hat die tschechische Bahn den Kurswagen Prag–Banská Bystrica–Zvolen eingestellt. Die Wochenendverbindung ins slowakische Erzgebirge war das letzte Einsatzgebiet von Schlafwagen des Typs „Görlitzer“ in Tschechien. Hingegen erhalten bleibt der Schlafwagenkurs Brno–Bratislava–Prešov, der dauerhaft bis Prag verlängert wurde.

Görlitzer Schlafwagen Prag Banska Bystrica Zvolen

Schlafwagen in Banská Bystrica. Diesen Anblick gab es im Dezember 2017 zum letzten Mal

Während die tschechische Staatsbahn sich mehr und mehr vom Nachtzug verabschiedet, baut der private Anbieter RegioJet sein Angebot aus: Das nächtliche Zugpaar RJ 1021/1020 zwischen Prag und Košice wurde zum Fahrplanwechsel bis Humenné verlängert. Die Züge führen ex-österreichische Liegewagen, die in 3er- oder 6er-Belegung gebucht werden konnen.

Neues vom Nightjet

Die österreichischen ÖBB haben ihr Nachtzug-Angebot von Zürich nach Deutschland optimiert. Seit Fahrplanwechsel wird Nightjet 470/471 in Hildesheim geflügelt und verkehrt in zwei separaten Zugteilen nach Berlin und Hamburg. Dadurch entstehen attraktivere Ankunfts- und Abfahrtzeiten, wovon besonders die Hauptstädter profitieren. Neu sind außerdem zusätzliche Halte auf Berliner Stadtgebiet, sowie in Hannover, Braunschweig, Magdeburg und Potsdam.

Weniger Möglichkeiten gibt es künftig sein Auto oder Motorrad im Nightjet mitzunehmen: Auf den Strecken Wien–Düsseldorf und Innsbruck–Hamburg wurde der Fahrzeugtransport zum 08.12.2017 eingestellt. Nach Innsbruck gibt es zumindest in der Sommersaison Ersatz durch den privaten Urlaubs-Express (siehe unten).

Nachtzüge in Polen

Nur noch ein täglicher Nachtzug verkehrt von Polen nach Prag, Wien und Budapest. Seit Fahrplanwechsel wird EN 407/406 „Chopin“ von Warschau über Krakau nach Bohumín geführt und ersetzt damit EN 402/403 „Silesia“. Außerhalb der Sommersaison kommt es dadurch zu einer erheblichen Verringerung der Wagenkapazität. Durch die neue Führung entfällt zudem der Halt im schlesischen Katowice.

Die polnische PKP hat den Fahrplanwechsel außerdem zu Anpassungen im nächtlichen Binnenverkehr genutzt. Die wichtigsten Änderungen im Überblick (gültig bis 10.03.18):

  • Nachtzug „Uznam“ Warschau–Świnoujście verkehrt neu als TLK 38172/83172 ab Ręszów mit Schlafwagen ab Lublin.
  • TLK 45170/54170 „Pogoria“ wurde auf Katowice–Gdynia verkürzt und verkehrt neu mit Triebwagen des Typs „Flirt 3“ ohne Schlaf- und Liegewagen. Der Abschnitt ab Bielsko-Biała entfällt.
  • TLK 56170/65170 Gdynia–Jelenia Góra (ehemals „Sudety“) verkehrt neu als „Rozewie“ bis Szklarska Poręba. Die Kurswagen von und nach Warschau wurden gestrichen.
  • TLK 83170/38170 „Ustronie“ Kołobrzeg–Krakau wurde um Kurswagen nach Przemyśl verlängert. Hier besteht Anschluss an den Tageszug in das ukrainische Lviv.

Nachtzüge zwischen Polen und Ukraine

Die ukrainische Bahn bietet seit Fahrplanwechsel einen Nachtzug Przemyśl–Odessa an. Dieser verlässt die polnische Grenzstadt täglich um 18:09 Uhr und erreicht die Schwarzmeerküste am nächsten Morgen um 11:15 Uhr. Der Gegenzug fährt um 18:26 Uhr in Odessa ab und kommt um 09:45 Uhr in Przemyśl an. Zum Einsatz kommen ukrainische Breitspur-Schlafwagen.

Der „Lwów Express“ verkehrt weiterhin als D 51/52 zwischen Breslau, Warschau und Lviv. Neu ist die Verlängerung des Warschauer Zugteils bis Gdynia. Eine Änderung wird es außerdem an der Grenze geben: Statt wie bisher im polnischen Przemyśl erfolgt der Spurwechsel nun auf ukrainischer Seite in Mostyska II.

Die Fortführung des Lwów Express war bis zuletzt unklar und wurde erst am Tag des Fahrplanwechsels durch die polnische Bahn bestätigt. Ebenfalls erhalten bleibt der „Kiev Express“ D 68/67 von Warschau nach Kiew über Lublin.

Schlafwagen Ukraine Bahnhof Wrocław Główny

Auch 2018 werden ukrainische Schlafwagen als „Lwów Express“ von Breslau nach Lemberg fahren

Kurswagen nach Kiew

Zwischen der Ukraine und Österreich gibt es wieder eine direkte Zugverbindung: Der neue Kurswagen Wien–Kiew verlässt den Wiener Hauptbahnhof täglich um 16:42 Uhr und kommt nach Zwischenhalten in Budapest, Debrecen und Lviv knapp 24 Stunden später in der ukrainischen Hauptstadt an. In Gegenrichtung ist die Abfahrt in Kiew um 14:07 Uhr und die Ankunft in Wien um 11:21 Uhr. Zwischen Wien und dem ungarischen Zahony verkehren die Kurswagen mit EC 140/147, der planmäßig einen slowakischen Speisewagen führt. Auf Drehscheibe Online gibt es Impressionen zur Premierenfahrt.

Zu erhebliche Umwälzungen ist es im ukrainischen Nachtverkehr mit Tschechien und der Slowakei gekommen. Laut ukrainischer Bahn wurden die direkten Schlafwagen Kiew–Prag und Kiew–Bratislava wegen Wagenmangel gestrichen. Stattdessen gibt es einen neuen Kurswagen Kiew–Košice mit Laufweg über die nördliche Karpatenstrecke Lviv–Sambir–Chop. Den Fahrplan des neuen Kurswagens gibt es auf der Website der slowakischen Bahn.

Fahrplanwechsel in Russland

Die russische Bahn hat ihre Prestigezüge nach Paris (Paris-Moskau-Express) und an die Côte d’Azur neu terminiert. Zug 23/452 verlässt Moskau am Dienstag und kommt Donnerstag am Pariser Gare de l’Est an. In Gegenrichtung fährt Zug 453/24 am Donnerstag in Paris ab und erreicht Moskau am Samstag. Zug 17/409 von Moskau nach Nizza ist vom Donnerstag- bis Samstagabend unterwegs, Gegenzug 408/18 vom Sonntagmorgen bis Dienstagmittag.

Neue Fahrzeiten gibt es auch bei den Zügen Moskau–Berlin und Moskau/St. Petersburg–Prag. Der „Mauersegler“ (russisch Strizh) verkehrt ab Moskau-Belorusskaja nun freitags und sonntags (Zug 13/440), ab Berlin-Ostbahnhof montags und samstags (Zug 441/14). Neue Abfahrt des „Vltava“ ist am Montagabend in Moskau (Zug 21/404) und am Mittwochmorgen in Prag (Zug 405/22).

Der Nachtzug von Moskau und St. Petersburg nach Wien wurde eingestellt. Zuletzt verkehrten die Kurswagen mit dem „Vltava“ bis Bohumín, wo sie auf Ex 101/100 in die österreichische Hauptstadt wechselten. Einziger Direktzug zwischen Russland und Österreich bleibt damit der wöchentliche Nizza-Moskau-Express.

Weitere Informationen zum Fahrplanwechsel bei der russischen Bahn gibt es im deutsch-russischen Blog „Rhein-Wolga-Kanal“.

Paris-Moskau-Express am Bahnhof Berlin-Lichtenberg

Seit Fahrplanwechsel an anderen Verkehrstagen unterwegs: Der Paris-Moskau-Express

Schottland & Skandinavien

Der Caledonian Sleeper zwischen London und Schottland erhält eine neue Fahrzeugflotte. Laut Betreiber Serco sollen die Wagen schrittweise ab Frühjahr 2018 eingeführt werden. Künftig können Reisende zwischen vier Komfortklassen wählen: Luxuriöse „Suites“, Schlafkabinen mit Dusche und WC („Club Rooms“), Standard-Schlafkabinen („Classic Rooms“) und Sitzplätze („Comfort Seats“). Neu gestaltet wird auch das Bordrestaurant mit exklusiver Lounge („Club Car“).

Helsingborg wird Nachtzughalt: Nachtzug NT 2 von Malmö nach Stockholm verkehrt an ausgewählten Sonntagen mit Halt über Helsingborg. Die schwedische SJ nutzt eine temporäre Umleitung, um das Fahrgastpotenzial in der Hafenstadt zu testen. Bei entsprechender Nachfrage könnte Helsingborg – immerhin achtgrößte Stadt Schwedens – bald dauerhaft ans Nachtzugnetz angeschlossen werden.

Private Autoreisezüge 2018

Der private EE-Autozug Düsseldorf–Verona und Düsseldorf–Livorno wird 2018 nicht mehr angeboten. Als Ursache verwies Betreiber Euro-Express auf Unstimmigkeiten mit einem niederländischen Partner. Dieser hatte die Verbindung unter dem Namen „Autoslaaptrein“ vermarktet.

Zumindest zwischen Düsseldorf und Verona gibt es Ersatz: Hier übernimmt der Anbieter Urlaubs-Express, der die Strecke in der Sommersaison vom 22. Juni bis 15. September einmal wöchentlich bedienen wird (Hinfahrt Freitag, Rückfahrt Samstag). Ein Urlaubs-Express verkehrt künftig auch von Hamburg nach Innsbruck: Zwischen dem 27. Juni und 23. August wird die Relation 14-tägig angeboten (Hinfahrt Mittwoch, Rückfahrt Donnerstag). Darüber hinaus bestehen bleiben die Saison-Verbindungen Hamburg–Lörrach, Hamburg–Verona, Hamburg–Villach und Hamburg–München.

Keine Änderungen gibt es beim Autoreisezug des Anbieters BahnTouristikExpress. Dieser verkehrt weiterhin bis zu viermal in der Woche zwischen Hamburg-Altona und Lörrach.

Ausblick auf den Sommer

Interessante Neuerung im polnischen Bäderverkehr: Nachtzug TLK45070/45071 „Wydmy“ verkehrt zwischen dem 22. Juni und 1. September bereits ab dem tschechischen Bohumín über Katowice an die Ostsee. In Gdynia wird der Zug in zwei Teile geteilt, einen nach Łeba und einen auf die Halbinsel Hel. Neben tschechischen Sitzwagen führen beide Zugteile einen polnischen Schlafwagen.

Nachtzug Polen Ostsee Hel

Im Nachtzug an den Ostsee: Das ist im Sommer 2018 bereits ab dem tschechischen Bohumín möglich

Im Sommer 2018 wird es hingegen viele saisonale Verbindungen auf den Balkan nicht mehr geben. Dies betrifft die direkten Schlafwagen von Prag und Budapest nach Bar in Montenegro. Auch der Saisonverkehr zwischen Ungarn und der bulgarische Schwarzmeerküste wurde eingestellt: Die Verbindungen Budapest–Burgas und Budapest–Varna wurden 2017 zum vorerst letzten Mal bedient. Außerdem entfällt der Kurswagen von Prag in das kroatische Split.

Alles Weitere über die Sommer-Nachtzüge 2018 an die Adria, die Ostsee und das Schwarzes Meer erfährst du in unserer großen Übersicht.