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Im Herzen von Tschechien liegt die alte Silberstadt Kutná Hora. Wer sie mit dem Zug besucht, kann einiges entdecken. Zweiter Teil unserer Serie „Welterbe Tschechien“ – endlich geht es auf die Schiene!

Bergbau, Kathedralen, Knochen – Kutná Hora hat einiges zu bieten. Touristen lockt vor allem das schaurig-schöne Sedletz-Ossarium, erbaut aus 40.000 menschlichen Skeletten. Zum UNESCO-Welterbe zählt das ehemalige Kuttenberg aber wegen seiner Altstadt. Es war das Silbererz, was Kutná Hora im 13. Jahrhundert zur zweitgrößten Stadt Böhmens machte. Auch wenn der Glanz des Silbers längst verblasst ist: Bauten wie der Dom der heiligen Barbara, das Jesuitenkolleg oder die Kirche St. Jakob blieben als prachtvolle Zeugen des einstigen Ruhms.

Kutná Hora war die erste Station auf meiner Zugreise zu den Welterbestätten Tschechiens. Gemäß dem Motto „alles außer Prag“ führte mich mein Weg nicht über die Hauptstadt, sondern zunächst nach Ústí nad Labem. Von dort brach ich ich – stets der Elbe folgend – in das Herz der Republik auf. Was ich dabei erlebte, davon handelt dieser Bericht.

Welterbe Tschechien Kutná Hora mit dem Zug

Historische Gleise

Es ist ein schöner, aber kalter Vorfrühlingstag, als ich den Berliner Hauptbahnhof betrete. In seinem Keller versteckt wartet schon „Alois Negrelli“, der EuroCity nach Prag. Er begann seine Reise vor gut zwei Stunden in Hamburg. Schon oft war ich auf dieser Linie unterwegs, zum ersten Mal wird mein Ziel aber nicht die Metropole an der Moldau sein.

Es war 1851, als der Ingenieur Alois Negrelli das letzte Stück der Elbtalbahn von Dresden über Děčín und Ústí nad Labem nach Prag eröffnete. 167 Jahre später wartet ein Zug mit seinem Namen auf die Ausfahrt auf genau diese Strecke. Es sind Details wie diese, für die man die tschechische Bahn einfach lieben muss. Um mehr davon zu erleben, mache ich mich auf diese Reise.

EC Alois Negrelli Abteil

Reisekultur von Anfang an: Abteil im EC 179 „Alois Negrelli“

EDGE-Land Brandenburg

Bevor es ins gelobte Land geht, steht die wohl langsamste Verbindung zwischen zwei deutschen Großstädten auf dem Programm. Im gebotenen Tempo schleichen wir durch die endlosen Wälder Brandenburgs, auch bekannt als größtes Funkloch Deutschlands. Ich vertreibe mir die Zeit ganz analog mit „Ihr Reiseplan“. Als ich darin den Nachtzug in die Slowakei entdecke, steigt kurz die Sehnsucht nach der großen Fahrt in mir auf. Doch halt, sage ich mir, diesmal – ja, diesmal steht der große Bruder im Mittelpunkt.

Nachdem auch Elsterwerda zu Fernverkehrs-Ehren gekommen ist, hält mich nichts mehr an meinem Platz. Ich mache mich auf zum Speisewagen. Zu meiner Überraschung ist der rappelvoll. Ab Dresden jedoch, wo die Pendler den Zug verlassen, sitze ich ganz allein vor meiner Suppe. Noch widerstehe ich der Knödel-Anziehung. Eine Vorahnung sagt: Die nächsten Tage werden für meinen Magen anspruchsvoll genug.

Bier Speisewagen Tschechien

Das Bier im Speisewagen schmeckt!

Ankommen

So gleiten wir dem Elbtal entgegen. Hinter mir liegen anstrengende Tage und Wochen, doch mit jedem Schluck Bier wird mein Kopf freier. Vom anderen Ufer blitzen Lichter durch die Nacht. War das die Festung Königstein? Ein wohliges Gefühl steigt in mir auf. Nur kurz wird es von zwei Grenzbeamten gestört, die grimmigen Blickes durch die Wagen streifen. Noch ein Bier? Selbstverständlich!

Viel zu schnell sind wir in Ústí nad Labem. Ich stolpere leicht auf den Bahnsteig, die zwei Bier haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Luft ist kalt, aber klar, über der Stadt liegt ein Hauch von Holzfeuer – herrlich! Jetzt ist Urlaub, und ich mache mich sogleich auf zu meinem Hotel.

Usti nad Labem hl.n.

Ankunft am Bahnhof Ústí nad Labem hlavní nádraží

Ein besonderes Hotel

Das Interhotel Bohemia, ein 10-geschossige Betonklotz mitten im Stadtzentrum, ist schon ein Erlebnis für sich. Was man in Berlin „Ostel“ nennt und als Trendhotel vermarktet, bietet sich 200 Kilometer südlich noch völlig ohne Ironie dem Reisenden an. In der riesigen Lobby, an deren besten Tage sich kaum noch jemand erinnern kann, langweilt sich die Rezeptionistin hinter dem Tresen. Ich bin gut drauf und übe mit ihr noch einmal mein Vokabular für die kommenden Tage: Dobrý den, prosím und děkuji. Aus dem Hintergrund dudelt tschechischer Hard Rock.

Mein Zimmer liegt im 9. Stock – Volltreffer! Natürlich nehme ich die Treppe. Erstens, um meinen Bewegungsdrang nach der Zugfahrt zu befriedigen. Und zweitens, weil mein Vertrauen in die tschechische Ingenieurskunst beim Anblick des bröckelnden Betons am Lift einen plötzlichen Dämpfer erhält. Auf jeder Etage erwartet mich neues Kleinod sozialistischer Innenarchitektur. Der Ausblick ist dafür wie erhofft phantastisch.

Ústí nad Labem AUssicht

Blick vom Hotel auf Ústí nad Labem

Nächtliche Entdeckungen

Beim nächtlichen Rundgang durch Ústí nad Labem lerne ich ein nettes kleines Städtchen kennen, dessen Panorama von dem Schlösschen Větruše (Ferdinandshöhe) dominiert wird. Konkurrenz bekommen hat es allerdings durch ein riesiges Einkaufzentrum, dass sich zwischen die Häuser der Altstadt zwängt. Ironischerweise führt von dessen Parkdeck aus eine Seilbahn direkt zum Schloss.

Ich lasse den Abend im örtlichen Brauereilokal Na Rychtě ausklingen. Die ersten Schlucke des unfiltrierten Lagers machen mutig, so dass ich – einmal mehr konfrontiert mit der Prosa einer tschechischen Speisekarte – blind auf das erste Gericht tippe. Die „Kleinigkeit zum Bier“ entpuppt sich als riesige Portion frittierter Mini-Fische – ganz, mit Kopf! Zum Glück kann mich als Norddeutscher so etwas nicht schocken. Dennoch kapituliere ich nach circa 50 Augenpaaren. Die Ahnung verfestigt sich: Diese Reise wird auch kulinarisch ein Abenteuer.

Frittierte Gründlinge Na Rychte Usti nad Labem

Bier und Snack im Brauereilokal Na Rychtě

Dobrý den, Ústí nad Labem

Der nächste Morgen. Auf dem Weg zum Speisesaal kann ich die Schönheit des Sozialismus noch einmal in ganzer Pracht bewundern. Zum pappig-süßen Frühstück plärrt ein Röhrenfernseher. Die Themen sind bunt wie die Einrichtung um mich herum: Neben den politischen Umwälzungen in der Slowakei erfahre ich mehr über die Preisexplosion am tschechischen Apfelmarkt. Zum Abschluss vollführt eine Trachtengruppe noch einen wunderliche Tanz, bei dem ein Besen eine wichtige Rolle spielt.

Vor mir liegt ein strammes Programm, also mache ich mich gegen acht Uhr auf zum Bahnhof. Diesmal allerdings nicht zum Hauptbahnhof an der Negrelli-Strecke, sondern zur Station Ústí nad Labem západ. Hier beginnt die weniger bekannte rechtselbische Bahn. Mit einem waghalsigen Überquerungsmanöver über eine vierspurige Straße komme ich am Bahnsteig an.

Treppe Interhotel Bohemia Usti nad Labem

Neun mal Treppe bis zum Frühstück

Trolley Bus Obus Usti nad Labem

Der Trolleybus gehört zum Stadtbild von Ústí nad Labem

Bahnhof Ústí nad Labem západ

Bahnhof Ústí nad Labem západ

Jenseits der Elbe

Hier steht bereits mein Mini-Schnellzug: Eine Lok, zwei Wagen. In den vorderen der beiden klettere ich, es ist ein liebevoll modernisierter Großraumwagen mit Fenstern zum Öffnen. Auch wenn es mich in den Fingern juckt, traue ich mich das zunächst nicht. Zu kalt ist es draußen und zu voll der Zug mit Menschen, die eher nach Pendlern, als nach Eisenbahn-Romantikern aussehen.

Meiner Kamera verborgen bleibt damit nicht nur die Fahrt über die Elbbrücke, sondern auch die idyllische Flusslandschaft danach. Immer wieder kann man auf die weitaus bedeutendere Strecke auf der anderen Seite sehen. In kurzen Abständen wechseln sich dort lange Reisezüge mit noch längeren Güterzügen ab. Hier, jenseits der Elbe, geht es gemütlicher zu. Wir tingeln über die Dörfer. Am bekanntesten dürfte das Königsstädtchen Litoměřice sein, wo die Eger in die Elbe mündet.

Großraumwagen Tschechien

Großraumwagen im Schnellzug nach Kolín

Aussicht Zugfenster Tschechien Bahnsteig

Rechts der Elbe tingeln wir über die Dörfer

Aussicht Zugfenster Elbe

Rückwärtiger Blick auf die Elbe

Morgens halb elf in Tschechien

Nach exakt zwei Stunden erreichen wir Kolín, zu k.u.k.-Zeiten bekannt als Köln an der Elbe. Sogar einen Dom gibt es. Für den bleibt jedoch keine Zeit, wohl aber für eine Runde durch den Bahnhof. Mit diversen Schaltern, Wartesaal und Restaurant wartet der mit allem auf, was eine intakte Bahnstation auszeichnet. Es ist morgens halb elf in Tschechien – das heißt, im Restaurace werden längst die Biere über die Theke geschoben.

Auf der nächsten Etappe wird mich wieder ein Schnellzug – tschechisch Rychlík – begleiten. Ein Rychlík besteht oft aus alten, nicht klimatisierten Abteilwagen. So auch Zug R 979, der mit ohrenbetäubenden Pfeifen am Bahnsteig zum Stehen kommt. Er trägt den Beinamen Barbora, könnte aber ebenso gut UNESCO-Express heißen: Mit Prag, Kutna Hora, Žďár nad Sázavou und Brno verbindet er vier der zwölf Welterbe-Städte.

Kolín Bahnhof Bahnsteig

Ankunft am Bahnhof von Kolín

Kolín Bahnhof innen

Im Bahnhof von Kolín ist die Welt noch in Ordnung

Rychlik Tschechien Abteilwagen Gang

Alter Abteilwagen im Originalzustand

Jahrzehntelang eingespielt

Ich steige in den ältesten Wagen im Zugverband – so alt, dass man ihn offenbar bei jeder Neulackierung vergessen hat. Seit jeher fährt er in Grün und Weiß durch die Lande und schert sich wenig um das aktuelle Blauheitsgebot der tschechischen Bahn. Es lohnt sich kaum mein Gepäck zu verstauen, denn schon zehn Minuten später sind wir am Bahnhof Kutná Hora hlavní nádraží.

Da der Hauptbahnhof von Kutná Hora ein wenig vom Zentrum entfernt liegt – genauer gesagt ganze zwei Kilometer – spielt sich nun ein Schauspiel ab, dass es so wohl nur noch bei unseren östlichen Nachbarn gibt: Als sich unsere Türen öffnen, wartet am Hausbahnsteig schon tuckernd ein Dieseltriebwagen auf seine Gäste. Und die strömen zahlreich durch die Unterführung, der 7-Minuten-Übergang versetzt hier jedoch niemanden in Aufregung. Es ist eine über Jahrzehnte einstudierte Routine.

Kutná Hora hlavni nadrazi Regionova

Kutná Hora Hauptbahnhof, die Regionova wartet schon

Regionova Tschechien Innenraum

Blick in den Innenraum der Regionova

Rangierfahrt vor Publikum

Als dann alle an Bord sind, fährt die Regionova zunächst rückwärts aus dem Bahnhof, um sogleich im Gleisvorfeld wieder zum Stehen zu kommen. Der Lokführer läuft einmal um sein Arbeitsgerät, eine Weiche springt um, und schon geht es der Altstadt von Kutná Hora entgegen. Eine Rangierfahrt vor Publikum – was in vermeintlich modernen Ländern wie Deutschland undenkbar ist, gehört in Tschechien noch zum Alltag.

Eine Reisegruppe aus Japan staunt nicht schlecht, wie die Regionova schnaufend und pfeifend über die Gleise rumpelt. Der Kontrast zu den High-Speed-Zügen ihrer Heimat könnte nicht größer sein. Dass ihr Zielbahnhof im Ortsteil Sedlec nur Bedarfshalt ist, sorgt kurzzeitig für Verwirrung. Doch ein junger Tscheche springt ihnen sogleich mit Rat und Tat zur Seite. Auch das wirkt wie dutzende Male geübt – Kutná Hora liegt in idealer Entfernung für einen Tagesausflug aus Prag.

Welterbe Tschechien: Kutná Hora

Fakten

Kutná Hora hat etwa 20.000 Einwohner und liegt in der Region Mittelböhmen.

Warum Welterbe?

Zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt seit 1995 die historische Altstadt mit dem Dom der heiligen Barbara und der Kathedrale Mariä Himmelfahrt in Sedlec.

Wie geht’s hin?

Der Hauptbahnhof (Kutná Hora hl.n.) wird regelmäßig von Schnellzügen auf der Relation Prag–Brno bedient. Hier zweigt die kurze Stichstrecke zum zentral gelegenen Stadtbahnhof (Kutná Hora město) ab. Einzelne Züge werden bis Zruč nad Sázavou durchgebunden.

Freundliches Kutná Hora

Kurz nach dem einzigen Zwischenhalt laufen wir schon in der Endstation ein, dem Stadtbahnhof Kutná Hora město. Dieser liegt aber immer noch ein kleines Stück entfernt vom Zentrum, zu dem ich mich zu Fuß auf den Weg mache. Als ich am zentralen Platz Palackého náměstí ankomme, werde ich sogleich mit offenen Armen in der Tourist-Information empfangen. Auf die Frage nach einem Schließfach lande ich in einem Hinterzimmer, wo ich meinen Rucksack ganz unbürokratisch abstellen darf – sehr freundlich!

Von der Last auf meinem Rücken befreit mache ich mich mit dem Stadtbild vertraut. In drei Ebenen schichtet sich Kutná Hora dem mittelböhmischen Hügelland entgegen: Im Tal schlängelt sich das Flüsschen Vrchlice, in der Mitte drängen sich die bunten Häuser des weltlichen Zentrums, und über allem thront das Ensemble aus Barbara-Dom und Jesuitenkolleg. Ich entscheide mich für einen Rundgang von oben nach unten.

Kutna Hora Barbara Dom Jesuitenkolleg

Blick auf Kutná Hora mit Barbara-Dom und Jesuitenkolleg

Kutna Hora Altstadt

Die liebliche Altstadt empfängt mich mit offenen Armen

Dom mit Aussicht

Unter dem Zeltdach des Doms wird mir schlagartig klar: Kutná Hora muss einst sehr reich gewesen sein. Aus heutiger Sicht ist alles mindestens zwei Nummern zu groß und prachtvoll für die kleine Stadt. Sage und schreibe 500 Jahre hat es gedauert, bis die Kathedrale 1905 fertiggestellt wurde. Dass sich die Wartezeit gelohnt hat, davon überzeuge ich mich von der Empore. In luftiger Höhe umläuft sie das Kirchenschiff und gibt unter anderem einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Orgel frei.

Beim Herausgehen lande ich in einer Busladung Touristen aus Prag. Erst im Getümmel merke ich, dass hier eigentlich ein Eintritt fällig gewesen wäre. Schwamm drüber, denke ich mir, als alter Messdiener habe ich schließlich meinen Dienst an der Kirche für dieses Leben erbracht.

Dom heilige Barbara Kutna Hora

Hinter Gestrüpp versteckt: Der spätgotische Dom der heiligen Barbara

Kutna Hora Dom der heiligen Barbara

Prächtiger Innenraum im Dom der heiligen Barbara

Kutna Hora Barbara Dom Orgel

Blick hinter die Kulissen der Orgel

Als die Jesuiten kamen

Stattdessen genieße ich die Aussicht vom Vorplatz. Hinter den Wolken lugt die schon kräftige Märzsonne hervor, als sich pfeifend ein Zug ankündigt. Wieder ist es eine Regionova. Diesmal endete ihre Fahrt jedoch nicht am Město-Bahnhof, sondern sie gehört zu den wenigen Zügen, die bis Zruč nad Sázavou durchgebunden werden. Von meinem Beobachtungspunkt aus kann ich den Triebwagen auf seiner weiten Runde durch de Ort verfolgen – im Schritttempo und untermalt vom rhythmischen Tack-Tack der Schienenstöße. Das ist Eisenbahnromantik pur!

Nach diesem Zwischenspiel wende ich mich mit dem Jesuitenkolleg wieder der Weltkultur zu. Die Jesuiten kamen Anfang des 17. Jahrhunderts nach Kutná Hora. Nach und nach rissen sie sich alle wichtigen Gebäude unter den Nagel, unter anderem den Dom der heiligen Barbara. Mit dem Bau des riesigen Kollegs begannen sie 1667. Zu Zeiten des Kommunismus diente es als Kaserne – und wäre um ein Haar zerstört worden. Zum Glück kam es anders. Das Jesuitenkolleg erstrahlt heute in neuem Glanz und beherbergt moderne Kunst. Auf der Hangseite lädt die von Statuen gesäumte Barborská zum Flanieren ein. Stetig bergab führt sie mich zunächst zum Schlösschen Hrádek, ehe ich in den engen Gassen der Altstadt lande.

Kutna Hora Aussicht St. Jakob Kirche

Kutná Hora ist einer Stadt der Ausblicke

Jesuitenkolleg Kutna Hora

Um ein Haar im Sozialismus zerstört: das Jesuitenkolleg

Selige Ruhe

Hier buhlen dutzende Kneipen, Cafés und Restaurants um Aufmerksamkeit. Ich entscheide mich für eine winzige Kellerspelunke, in der es – wie in Tschechien üblich – einen günstigen Mittagstisch gibt. Nach dem Essen drehe ich noch eine Runde durchs Zentrum. Leider finde ich die zweite bedeutende Kirche von Kutná Hora, die St.-Jakobkirche aus dem 14. Jahrhundert, verschlossen vor.

Statt den höchsten Kirchturm Böhmens hinauf, steige ich hinab zum Fluss. Im kleinen Park unterhalb von St. Jakob empfängt mich eine selige Ruhe, die nur ab und an von zwei Gärtnern mit ihrem Mähgerät unterbrochen wird. In der Mittagssonne gehe ich noch ein bisschen zwischen Gleisen und Vrchlice spazieren – natürlich in der Hoffnung, einen Zug vor historischer Kulisse ablichten zu können. Leider macht mir der dünne Fahrplan einen Strich durch die Rechnung.

Welscher Hof Kutna Hora

Im Welschen Hof wurden einst Münzen geprägt

Kutna Hora Bahnstrecke St. Jakob Kirche

Auch ohne Zug ist der Spaziergang am Fluss ein Genuss

Auf zu neuen Ufern

Apropos Fahrplan: Da meiner heute eng gestrickt ist, mache ich mich bald auf den Rückweg. Mit meinem wohlbehüteten Rucksack erreiche ich pünktlich Kutna Hora město. Hier findet gerade ein Treffen der (Farb-)Generationen statt: Regionova blau trifft Regionova orange-grün. Letztere ist meine, und nachdem der Lokführer wieder seine halbe Pirouette gedreht hat, bin ich um kaum drei Uhr zurück am Hauptbahnhof.

Von hier nehme ich wieder den Schnellzug nach Kolín. Am offenen Fenster ist Zeit für ein kurzes Resümee: Auch ohne die Knochenkammer von Sedlic ist Kutna Hora auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Nebenbahn nach Zruč nad Sázavou sorgt außerdem für den Schuss Eisenbahnromantik. Da muss ich unbedingt mal lang fahren, sage ich mir. In dem Moment jaulen die Bremsen auf. Für mich geht es nun erstmal weiter nach Litomyšl. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich dir bald erzähle, wenn es wieder heißt: Welterbe Tschechien.

Kutná Hora město Regionova Bahnhof

Zurück am Stadtbahnhof Kutná Hora město

Kutna Hora hlavni nadrazi

Ankunft am Hauptbahnhof nach Rangierfahrt

Schnellzug Tschechien Fenster

Mit dem Schnellzug dem nächsten Welterbe entgegen

Welterbe Tschechien – Die Serie