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Wer gern mit dem Nachtzug reist, schaut jedes Jahr im Dezember gespannt auf den Fahrplanwechsel. Liebgewonnene Verbindungen verschwinden, neue kommen hinzu. Auch dieses Mal gab es wieder einige Veränderungen. Leider nur selten zum Guten.

So geht auch 2018 das Streichkonzert im Nachtzugverkehr weiter. Besonders betroffen: Tschechien und die Slowakei. Hier kommt nahezu der gesamte Kurswagenverkehr zum Erliegen. Auch Frankreich verliert einen weiteren Nachtzug. Zu den wenigen Verbesserungen gehören neue Verbindungen in die Ukraine, sowie eine optimierte Führung des Nightjet von Zürich nach Berlin und Hamburg. Ein Überblick.

Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.

Adieu Train Bleu

Aus nach 131 Jahren: Die französische SNCF hat den Intercités de nuit Paris–Nizza eingestellt. Die traditionsreiche Verbindung von der Seine an die Côte d’Azur hatte es bereits seit 1886 gegeben. Wegen der Farbe der historischen Schlafwagen war der Zug auch als „Train Bleu“ bekannt. Seine Einstellung wurde von einer Reihe von Protestaktionen der Initiative Oui au train de nuit begleitet.

Damit erreicht das französische Nachtzugnetz einen historischen Tiefstand. Mit Paris–Briançon und Paris–Rodez/Latour Carol/Port Bou gibt es nur noch zwei Nachtzüge innerhalb Frankreichs.

Verkürzung des Metropol

Der legendäre Nachtzug EN 477/476 „Metropol“ verkehrt nur noch zwischen Prag, Budapest und Wien. Der Abschnitt von und nach Berlin wurde zum Fahrplanwechsel eingestellt. Damit hält seit vielen Jahrzehnten erstmals kein Nachtzug mehr in Dresden. Die ungarische MÁV-START, Betreiberin des Zuges, begründete die Verkürzung mit zu hohen Trassenkosten in Deutschland. Der neue Stammzug des Metropol besteht lediglich aus je einem Schlaf- und Sitzwagen von Prag nach Budapest, sowie einem Schlafwagen Prag–Wien. Erhalten bleibt die späte Abfahrt (23:57 Uhr) und frühe Ankunft (6:04 Uhr) in Prag, was das Rumpfangebot insgesamt wenig attraktiv macht.

Für Langschläfer hat die tschechische ČD allerdings ein Zusatzangebot: Bereits um 21:09 Uhr macht sich eine Kurswagengruppe (je ein Schlaf-, Liege- und Sitzwagen) mit IC 573 auf den Weg nach Břeclav, wo sie die Nacht auf einem Abstellgleis verbringt. Mit dem Metropol geht es dann morgens weiter nach Budapest (Ankunft 8:35 Uhr). In Gegenrichtung geht es ab Břeclav mit IC 572, Ankunft in Prag ist um 8:07 Uhr.

Kahlschlag im Nachtverkehr zwischen Tschechien und Slowakei

Zwischen Prag und dem Osten der Slowakei sind deutlich weniger Nachtzüge unterwegs. Während der EN 442/443 „Slovakia“ täglich die Strecke Prag–Humenné bedient, verkehrt der zweite Nachtzug EN 444/445 „Bohemia“ Prag–Košice künftig nur noch saisonal. In beiden Zügen wurden außerdem die Kurswagen ab Cheb gestrichen. Die Stadt nahe der deutschen Grenze verlor damit seine letzten Nachtzug-Verbindungen. Durch die Maßnahme ebenfalls von Nachtverkehr abgekoppelt wurden die Kurorte Karlovy Vary (Karlsbad) und Mariánské Lázně (Marienbad), sowie die Bierstadt Plzeň (Pilsen).

Die verringerte Freqeunz des „Bohemia“ hat eine weitere Auswirkung: Da dieser als Trägerzug für den Kurswagen Wien–Košice dient, verkehrt auch letzterer nur noch an ausgewählten Tagen im Jahr. Die Direktverbindung zwischen Österreich und der Slowakei hatte die slowakische ZSSK erst im Dezember 2016 eingerichtet.

Darüber hinaus hat die tschechische Bahn den Kurswagen Prag–Banská Bystrica–Zvolen eingestellt. Die Wochenendverbindung ins slowakische Erzgebirge war das letzte Einsatzgebiet von Schlafwagen des Typs „Görlitzer“ in Tschechien. Hingegen erhalten bleibt der Schlafwagenkurs Brno–Bratislava–Prešov, der dauerhaft bis Prag verlängert wurde.

Görlitzer Schlafwagen Prag Banska Bystrica Zvolen

Schlafwagen in Banská Bystrica. Diesen Anblick gab es am 9. Dezember 2017 zum letzten Mal.

Während die tschechische Staatsbahn sich mehr und mehr vom Nachtzug verabschiedet, baut der private Anbieter RegioJet sein Angebot aus: Das nächtliche Zugpaar RJ 1021/1020 zwischen Prag und Košice wurde zum Fahrplanwechsel bis Humenné verlängert. Die Züge führen ehemals österreichische Liegewagen, welche in 3er- oder 6er-Belegung gebucht werden konnen.

Neues vom Nightjet

Die österreichischen ÖBB haben ihr Nachtzug-Angebot von Zürich nach Deutschland optimiert. Seit Fahrplanwechsel wird Nightjet 470/471 in Hildesheim geflügelt und verkehrt in zwei separaten Zugteilen nach Berlin und Hamburg. Dadurch entstehen attraktivere Ankunfts- und Abfahrtzeiten, wovon besonders die Hauptstädter profitieren. Neu sind außerdem zusätzliche Halte auf Berliner Stadtgebiet, sowie in Hannover, Braunschweig, Magdeburg und Potsdam.

Weniger Möglichkeiten gibt es künftig sein Auto oder Motorrad im Nightjet mitzunehmen: Auf den Strecken Wien–Düsseldorf und Innsbruck–Hamburg wurde der Fahrzeugtransport zum 08.12.2017 eingestellt. Nach Innsbruck gibt es zumindest in der Sommersaison Ersatz durch den privaten Urlaubs-Express (siehe unten).

Anpassungen im polnischen Nachtzugverkehr

Nur noch ein täglicher Nachtzug verkehrt von Polen nach Prag, Wien und Budapest. Seit Fahrplanwechsel wird EN 407/406 „Chopin“ von Warschau über Krakau nach Bohumín geführt und ersetzt damit EN 402/403 „Silesia“. Außerhalb der Sommersaison kommt es dadurch zu einer erheblichen Verringerung der Wagenkapazität. Durch die neue Führung entfällt zudem der Halt im schlesischen Katowice.

Die polnische PKP hat den Fahrplanwechsel außerdem zu Anpassungen im nächtlichen Binnenverkehr genutzt. Die wichtigsten Änderungen im Überblick (gültig bis 10.03.18):

  • Nachtzug „Uznam“ Warschau–Świnoujście verkehrt neu als TLK 38172/83172 ab Ręszów mit Schlafwagen ab Lublin.
  • TLK 45170/54170 „Pogoria“ wurde auf Katowice–Gdynia verkürzt und verkehrt neu mit Triebwagen des Typs „Flirt 3“ ohne Schlaf- und Liegewagen. Der Abschnitt ab Bielsko-Biała entfällt.
  • TLK 56170/65170 Gdynia–Jelenia Góra (ehemals „Sudety“) verkehrt neu als „Rozewie“ bis Szklarska Poręba. Die Kurswagen von und nach Warschau wurden gestrichen.
  • TLK 83170/38170 „Ustronie“ Kołobrzeg–Krakau wurde um Kurswagen nach Przemyśl verlängert. Hier besteht Anschluss an den Tageszug in das ukrainische Lviv.

Neues und Bewährtes zwischen Polen und der Ukraine

Die ukrainische Bahn bietet seit Fahrplanwechsel einen Nachtzug Przemyśl–Odessa an. Dieser verlässt die Grenzstadt im Osten Polens täglich um 18:09 Uhr und erreicht die Schwarzmeerküste am nächsten Morgen um 11:15 Uhr. Der Gegenzug fährt um 18:26 Uhr in Odessa ab und kommt um 09:45 Uhr in Przemyśl an.

Der „Lwów Express“ verkehrt weiterhin als D 51/52 zwischen Breslau, Warschau und Lviv. Neu ist die Verlängerung des Warschauer Zugteils bis Gdynia. Eine Änderung wird es außerdem an der Grenze geben: Statt wie bisher im polnischen Przemyśl erfolgt der Spurwechsel nun auf ukrainischer Seite in Mostyska II.

Die Fortführung des Lwów Express war bis zuletzt unklar und wurde erst am Tag des Fahrplanwechsels durch die polnische Bahn bestätigt. Ebenfalls erhalten bleibt der „Kiev Express“ D 68/67 von Warschau nach Kiew über Lublin.

Ukrainischer Schlafwagen am Bahnhof Wrocław Główny

Auch 2018 werden ukrainische Schlafwagen als „Lwów Express“ von Breslau nach Lemberg fahren.

Neue Kurswagen nach Kiew

Zwischen der Ukraine und Österreich gibt es wieder eine direkte Zugverbindung: Der neue Kurswagen Wien–Kiew verlässt den Wiener Hauptbahnhof täglich um 16:42 Uhr und kommt nach Zwischenhalten in Budapest, Debrecen und Lviv knapp 24 Stunden später in der ukrainischen Hauptstadt an. In Gegenrichtung ist die Abfahrt in Kiew um 14:07 Uhr und die Ankunft in Wien um 11:21 Uhr. Zum Einsatz kommen sollen moderne Schlafwagen des ukrainischen Herstellers KVSZ. Zwischen Wien und dem ungarischen Zahony verkehren sie mit EC 140/147, der planmäßig einen slowakischen Speisewagen führt. Auf Drehscheibe Online gibt es Impressionen zur Premierenfahrt, allerdings noch mit Altbau-Schlafwagen.

Zu erhebliche Umwälzungen ist es im ukrainischen Nachtverkehr mit Tschechien und der Slowakei gekommen. Laut ukrainischer Bahn wurden die direkten Schlafwagen Kiew–Prag und Kiew–Bratislava wegen Wagenmangel gestrichen. Stattdessen gibt es einen neuen Kurswagen Kiew–Košice mit Laufweg über die nördliche Karpatenstrecke Lviv–Sambir–Chop. Den Fahrplan des neuen Kurswagens gibt es auf der Website der slowakischen Bahn.

Fahrplanwechsel in Russland

Die russische Bahn hat ihre Prestigezüge nach Paris (Paris-Moskau-Express) und an die Côte d’Azur neu terminiert. Zug 23/452 verlässt Moskau am Dienstag und kommt Donnerstag am Pariser Gare de l’Est an. In Gegenrichtung fährt Zug 453/24 am Donnerstag in Paris ab und erreicht Moskau am Samstag. Zug 17/409 von Moskau nach Nizza ist vom Donnerstag- bis Samstagabend unterwegs, Gegenzug 408/18 vom Sonntagmorgen bis Dienstagmittag.

Paris-Moskau-Express am Bahnhof Berlin-Lichtenberg

Seit Fahrplanwechsel an anderen Verkehrstagen unterwegs: Der Paris-Moskau-Express.

Neue Fahrzeiten gibt es auch bei den Zügen Moskau–Berlin und Moskau/St. Petersburg–Prag. Der „Mauersegler“ (russisch Strizh) verkehrt ab Moskau-Belorusskaja nun freitags und sonntags (Zug 13/440), ab Berlin-Ostbahnhof montags und samstags (Zug 441/14). Neue Abfahrt des „Vltava“ ist am Montagabend in Moskau (Zug 21/404) und am Mittwochmorgen in Prag (Zug 405/22).

Die Zugverbindung von Moskau und St. Petersburg nach Wien wurde eingestellt. Zuletzt verkehrten die Kurswagen mit dem „Vltava“ bis Bohumín, wo sie auf Ex 101/100 in die österreichische Hauptstadt wechselten. Als einziger Direktzug zwischen Russland und Österreich verbleibt damit der wöchentliche Nizza-Moskau-Express.

Weitere Informationen zum Fahrplanwechsel bei der russischen Bahn gibt es im deutsch-russischen Blog „Rhein-Wolga-Kanal“.

News aus Schottland & Skandinavien

Der Caledonian Sleeper zwischen London und Schottland erhält eine neue Fahrzeugflotte. Laut Betreiber Serco sollen die Wagen schrittweise ab Frühjahr 2018 eingeführt werden. Künftig können Reisende zwischen vier Komfortklassen wählen: Luxuriöse „Suites“, Schlafkabinen mit Dusche und WC („Club Rooms“), Standard-Schlafkabinen („Classic Rooms“) und Sitzplätze („Comfort Seats“). Neu gestaltet wird auch das Bordrestaurant mit exklusiver Lounge („Club Car“).

Helsingborg wird Nachtzughalt: Nachtzug NT 2 von Malmö nach Stockholm verkehrt an ausgewählten Sonntagen mit Halt über Helsingborg. Die schwedische SJ nutzt eine temporäre Umleitung, um das Fahrgastpotenzial in der Hafenstadt zu testen. Bei entsprechender Nachfrage könnte Helsingborg – immerhin achtgrößte Stadt Schwedens – bald dauerhaft ans Nachtzugnetz angeschlossen werden.

Private Autoreisezüge 2018

Der private EE-Autozug Düsseldorf–Verona und Düsseldorf–Livorno wird 2018 nicht mehr angeboten. Als Ursache verwies Betreiber Euro-Express auf Unstimmigkeiten mit einem niederländischen Partner. Dieser hatte die Verbindung unter dem Namen „Autoslaaptrein“ vermarktet.

Zumindest zwischen Düsseldorf und Verona gibt es Ersatz: Hier übernimmt der Anbieter Urlaubs-Express, der die Strecke in der Sommersaison vom 22. Juni bis 15. September einmal wöchentlich bedienen wird (Hinfahrt Freitag, Rückfahrt Samstag). Ein Urlaubs-Express verkehrt künftig auch von Hamburg nach Innsbruck: Zwischen dem 27. Juni und 23. August wird die Relation 14-tägig angeboten (Hinfahrt Mittwoch, Rückfahrt Donnerstag). Darüber hinaus bestehen bleiben die Saison-Verbindungen Hamburg–Lörrach, Hamburg–Verona, Hamburg–Villach und Hamburg–München.

Keine Änderungen gibt es beim Autoreisezug des Anbieters BahnTouristikExpress. Dieser verkehrt weiterhin bis zu viermal in der Woche zwischen Hamburg-Altona und Lörrach.

Ausblick auf den Sommer

Interessante Neuerung im polnischen Bäderverkehr: Nachtzug TLK45070/45071 „Wydmy“ verkehrt zwischen dem 22. Juni und 1. September bereits ab dem tschechischen Bohumín über Katowice an die Ostsee. In Gdynia wird der Zug in zwei Teile geteilt, einen nach Łeba und einen auf die Halbinsel Hel. Neben tschechischen Sitzwagen führen beide Zugteile einen polnischen Schlafwagen.

Mit dem Nachtzug an den Ostseestrand

Im Nachtzug an den Ostsee: Das ist im Sommer 2018 bereits ab dem tschechischen Bohumín möglich.

Im Sommer 2018 wird es hingegen viele saisonale Verbindungen auf den Balkan nicht mehr geben. Dies betrifft die direkten Schlafwagen von Prag und Budapest nach Bar in Montenegro. Auch der Saisonverkehr zwischen Ungarn und der bulgarische Schwarzmeerküste wurde eingestellt: Die Verbindungen Budapest–Burgas und Budapest–Varna wurden 2017 zum vorerst letzten Mal bedient. Außerdem entfällt der Kurswagen von Prag in das kroatische Split.

  • hjdud
    Antworten
    Author
    hjdud

    you forgot about new regiojet sleeping train to Humenne in Slovakia from Prague (previously operated only to Kosice but it was extended).

    • Sebastian
      Antworten
      Author
      Sebastian Sebastian

      Dear hjdud,
      thanks for your suggestion. I will introduce the Regiojet night train soon.
      Best,
      Sebastian

  • Mehr Veloplätze im Nachtzug nach Hamburg | Bahnonline.ch
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    Mehr Veloplätze im Nachtzug nach Hamburg | Bahnonline.ch

    […] TrainTracks.eu – Nachtzüge 2018 Alle Änderungen zum Fahrplanwechsel […]

  • Niki Schmölz
    Antworten
    Author
    Niki Schmölz

    Hallo Sebastian!
    Wirklich sehr interessanter und fundierter Bericht über die Veränderungen im europäischen Nachtzugverkehr.
    Ich hoffe es kommt zu keinen weiteren Rückschritten im Nachtzugnetz, weil der Nachtzug für eine Verkehrswende auf die Schiene und im Wettbewerb gegen den Flieger nach wie vor wesentlich ist. Außerdem ist es für mich eine durchaus angenehme Art zu reisen, und gerade in Wien habe ich durch den Nightjet und viele andere Anbieter einen sehr guten Anschluss;)

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Niki Schmölz

    • Sebastian
      Antworten
      Author
      Sebastian Sebastian

      Hallo Niki,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Wien entwickelt sich tatsächlich gerade zu der Drehscheibe schlechthin im europäischen Nachtzugverkehr. Vor einigen Wochen habe ich mal einen Abend am Hauptbahnhof verbracht und war beeindruckt von der Menge an Nachtzüge, die gefühlt im Halbstundentakt in alle Himmelsrichtungen abfahren.
      Dir auch einen guten Rutsch & alles Gute für 2018,
      Sebastian