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Als ich heute Morgen durch die Nachrichtenseiten stöberte, fiel mir ein Artikel über die besten Städtereisen für 2018 auf. Veröffentlicht wurde er auf Bento, der „Jugendausgabe“ von Spiegel Online.

Gleich an erster Stelle wird Zürich empfohlen. Sicher: Direkt am See, die Berge nicht weit – die größte Stadt der Schweiz ist immer eine Reise wert. Wie man hinkommt? Am besten mit easyJet, heißt es dann.

Moment mal – mit dem Flugzeug?!

Wohl kaum eine Stadt ist so gut an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen wie Zürich. Das trifft insbesondere für Verbindungen von und nach Deutschland zu: Nicht nur mit dem ICE kann man Zürich erreichen, sondern auch ganz bequem mit dem Nachtzug von Hamburg, Hannover und Berlin.

ICE Schweiz Basel SBB

Mit dem Zug nach Zürich? Kein Problem, zum Beispiel im ICE über Basel.

Darüber aber kein Wort. Der Zug als Reisemittel zwischen den Metropolen Europas verschwindet immer mehr aus dem Bewusstsein. Dass das so ist, daran helfen Artikel wie dieser kräftig mit.

Das ärgert mich!

Darum möchte ich vier alternative Wege nach Zürich vorstellen – natürlich mit der Eisenbahn. Komfortabel und gut für das Klima.

1. Mit dem ICE von Frankfurt

Ja, die Schweiz ist tatsächlich Teil des deutschen ICE-Netzes. Und das schon seit 25 Jahren. Von Frankfurt beispielsweise fährt sechs Mal am Tag ein direkter ICE nach Zürich. Fahrtzeit: drei Stunden und 55 Minuten.

Das muss nicht teuer sein: Mit dem Sparpreis Europa kommt man oft günstig ans Ziel, zum Beispiel für 39,90 EUR im 10-Uhr-Zug am kommenden Donnerstag (mit Bahncard noch weniger). Zum besonderen Genuss wird die mittägliche Fahrt durch die Rheinebene im Bordrestaurant.

2. Mit dem Nightjet von Hamburg und Berlin

Abends in den Zug steigen, noch einen Schlummertrunk nehmen und morgens ausgeruht am Ziel ankommen?

Genau das ist ist möglich mit dem Nightjet der ÖBB.

Je nach Geldbeutel kann man die Fahrt entweder im Sitzwagen (ab 29 EUR), Liegewagen (ab 49 EUR) oder Schlafwagen (ab 69 EUR) zurücklegen. Dabei bietet die letzte Variante den größten Komfort und beinhaltet unter anderem ein reichhaltiges Frühstück am Morgen.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 fahren zwei separate Nightjet-Züge auf den Strecken Hamburg–Zürich und Berlin–Zürich. Dadurch werden auch Hannover, Potsdam, Magdeburg und Braunschweig wieder über Nacht an die Schweiz angebunden.

3. Mit dem EuroCity von München

Die dritte Möglichkeit ist der EuroCity, der viermal täglich direkt von der Isar an den Zürichsee fährt. In etwa viereinhalb Stunden geht es im gemütlichen Tempo durch das Allgäu. Mit dabei ist ein Schweizer Speisewagen, in dem man sich bei einer Käseplatte schon einmal kulinarisch auf sein Ziel einstimmen kann.

Als besonderes Schmankerl führt der EuroCity München–Zürich einen luxuriösen Panoramawagen. Zugegeben: Die Fahrt in dem 1.-Klasse-Wagen ist nicht ganz günstig, doch die einmaligen Ausblicke auf Bodensee und Alpen sind jeden Cent wert.

Panoramewagen Schweiz Bodensee

Im Panoramawagen am Bodensee. Wer möchte da nicht die Kamera zücken?

4. Mit dem Nachtzug von Prag

Zum Schluss eine Empfehlung für Liebhaber: Auch nach der Einstellung des CityNightLine vor einem Jahr gibt es noch einen Nachtzug zwischen Prag und Zürich. Genauer gesagt handelt es sich um so genannte Kurswagen, die an verschiedene Züge angehängt werden und über Budweis, Linz und Innsbruck in die Schweiz unterwegs sind.

Nicht nur bei tschechischen Bankern ist die Verbindung beliebt, auch Touristen aus aller Welt finden immer öfter den Weg in den Nachtzug. Darum wurde zum Fahrplanwechsel die Kapazität um einen weiteren Schlafwagen erhöht.

Fazit

Mit dem Billigflieger in die Schweiz? Das muss nicht sein! Zürich lässt sich auf vielen Wegen mit der Eisenbahn erreichen. Dabei wird man nicht nur transportiert, sondern kann schon auf der Fahrt viel erleben. Im besten Sinne wird sie so zum Teil des Reiseerlebnisses.

 

Update: Es gibt natürlich noch weitere Wege mit dem Zug nach Zürich, zum Beispiel den InterCity von Stuttgart oder den EuroCity „Transalpin“ von Graz über Innsbruck. Letzterer verfügt ebenfalls über Bordrestaurant und Panoramawagen.

Update 2: Mittlerweile sah sich easyJet genötigt, auf Twitter Stellung zur Sache zu nehmen. Man verweist auf eine angeblich bessere Ökobilanz der Billigflieger aufgrund der höheren Auslastung.